Animationsbegriff
Dr.Khaled M. Fargoun
Animation bezeichnet eine Reihe von Techniken sowie eine spezifische Pädagogik zur Förderung sozialer Kommunikation, die durch Strategien wie soziale, kulturelle oder sozio-kulturelle Aktion, Erziehung, Partizipation usw. erreicht werden kann. Der Prozeß der Animation ist ausgerichtet auf die Selbstentwicklung des Individuums und seiner Teilnahme an Entscheidungsfällungen. (Silbermann, Alphone, 1995, S. 13)
Unterschieden wird zwischen sozio-kultureller Animation als einem Mittel und sozio-kultureller Aktion als einer Strategie. Der Begriff Animation, ebenso wie Animateur, wurde in den 60er Jahren besonders populär in Frankreich, hat jedoch in anderen Ländern Verwirrung und Diskussion hervorgerufen. In der Deutschland wird unter Animation das Gesamt der Methoden bei Jugend- und Erwachsenenbildung verstanden, gefördert durch Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, von denen die meisten auf Hochschulen oder in speziellen Fortbildungsstätten ausgebildet werden. Einige der Fortbildungsstätten sind im ,,Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten" zusammengeschlossen. Besonders bemüht um sozio-kulturelle Animation und die Ausbildung von Animateuren ist der Europarat (Straßburg) im Rahmen kultureller Kooperation, außerschulischer Erziehung und Gemeindeentwicklung. Von seiten des Einzelnen gesehen vermittelt Animation das Gefühl:
(1) in einem System kulturellen Fortschritts zu leben;
(2) Freude zu machen;
(3) an einer Sache von Bedeutung teilzunehmen;
(4) selbst evtl. eine Gruppe oder einen kulturellen Inhalt ins Leben zu
rufen. (Vgl. Silbermann, Alphone, 1995, S. 13)
Zu Zwecken der Animation werden vielfach Videospeichergeräte eingesetzt. Nach dem Glossar des Europarates sind unter Animation zu verstehen: eine Methode zur Einführung von Veränderungen in Attitüden und Verhalten bei Personen und Gesamtheiten. Animation als ein neuer Beruf im Freizeitbereich läßt sich als soziale Dienstleistung ansehen. (Silbermann, Alphone,1995, S. 13)
Jeder Mensch kann für sich und andere „Animateur“ sein. Animationsprozesse gibt es in allen Lebensbereichen, in Elternhaus und Freundeskreis, in Kindergarten und Schule, im Treppenhaus und auf der Straße (zur Animation in der Freizeit. (Opaschowski 1983, In: Otto & Schulz,1985, S. 372)
Jede von Menschen erzeugte, reproduzierbare Bewegung, wie Neonlichter, Leuchtreklamen, Anzeigetafeln, Kinetische Kunst, Moire´- Muster, Mobiles, Springbrunnen, Miniatur– Modelle, Ampeln und Weihnachtsdekorationen sind Animation. (Vgl. Engler, 1986, S. 54 )
Von „Altamira“ in Nordspanien ist der älteste bekannte Versuch des Menschen bekannt, unbelebte Objekte zu beleben. Die „C14 – Datierung“ der Höhlenmalereien ergab ein Alter von 13500 Jahren. Die Animation , also die Belebung oder Beseelung (lat. animare) des Tieres wurde durch vier zusätzliche Beine erreicht und beschränkte sich noch auf rein zeichnerische Mittel. Die „Tempelautomaten“ des Heron von Alexandria im ersten Jh. n. Chr. waren erste Versuche, künstliche Wesen zu bauen. Mit seinen „hydraulisch – pneumatisch“ angetriebenen Apparaten und Spielwerken gilt er als der Ahnherr der Technik und Theorie der Automaten. (Vgl. Fleischmann, 1997, S.1)
Das Wort Animation kommt von anima, was Seele oder Lebenshauch bedeutet. Animation bedeutet also, künstliche Beseelung und Belebung statischer Objekte. [....] Animation ist „Bildkunst in Bewegung“ „Animation ist nicht die Kunst der Zeichnungen, die sich bewegen, sondern die Kunst der Bewegungen, die gezeichnet werden. Was zwischen jedem Einzelbild passiert, ist genauso wichtig wie das, was auf dem Bild ist. Animation ist also die Kunst der Handhabung der Räume, die zwischen den Bildern sind.[...] Bewegung ist in der Animation das Schlüsselwort. Wenn ein Film nicht wie eine Diaschau oder eine Bildergeschichte aussehen soll, muß man Bewegung hineinbringen!. [...] (Engler,1986, S. 51 - 52)
Das Bedeutet, daß Animation ein Bild in Bewegung ist. Damit hängt es vom Ablauf der Zeit ab. Durch sie verliert das Bild seine Identität als statisches Gebilde in Zeit und Raum. Animation ist eine bildhafte Universalsprache. Es ist non- verbale Sprache auf einem hohen technischen Niveau. Es ist eine visuelle Kurzschrift.
Unter „Dynamik“ verstehen wir „Änderungen innerhalb einer Folge von Bildern. Dazu gehören Änderungen von Position, Größe, Materialeigenschaften, Beleuchtung und Darstellungsspezifikation, d. h. Änderungen eines beliebigen Teils der Szene oder der darauf angewandten Techniken. Wir können die Vorteile der Dynamik unabhängig von den Fortschritten bei der Erzeugung realistischerer, statischer Bilder untersuchen.“( Foley & et. al. , 1994, S. 491 )
Also ist Bewegungsdynamik wohl die populärste Form der Dynamik. Sie reicht von einfachen Transformationen, die der Benutzer steuert, bis hin zu komplexen Animationen.
Obwohl man sich Animation oft gleichbedeutend mit Bewegung vorstellt, deckt der Begriff alle Änderungen mit sichtbaren Auswirkungen ab. Er beinhaltet also zeitabhängige Position (Bewegungsdynamik), Form, Farbe, Transparenz, Struktur und Textur eines Objekts (Aktualisierungsdynamik) sowie Änderungen der Beleuchtung, Kameraposition, Orientierung, Schärfe und sogar Änderungen der „Rendering- Technik“.
Animation kommt nicht nur in der Unterhaltungsindustrie ausgiebig zum Einsatz, sondern auch in der Ausbildung, in industriellen Verwendungen wie Steuerungssystemen und Flugsimulatoren sowie in der wissenschaftlichen Forschung. Die wissenschaftlichen Anwendungen der Computergrafik, speziell der Animation, werden unter dem Begriff „wissenschaftliche Visualisierung“ zusammengefaßt. „Visualisierung“ ist jedoch mehr als die Verwendung von Graphik in Wissenschaft und Technik. Es spielen auch andere Gebiete herein, etwa Signal-verarbeitung, Computergeometrie und Datenbanktheorie. (Vgl. Foley & et. al., S. 493 )
Bei der wissenschaftlichen Visualisierung werden die Animationen oft aus Simulationen von wissenschaftlichen Phänomen heraus erzeugt. Diese Simulationen liefern große Datensätze mit zwei- oder dreidimensionalen Daten (z. B. bei der Simulation von Flüssigkeits-bewegung). Diese Daten werden in Bilder umgewandelt und bilden dann die Animation. Im anderen Extrem kann die Simulation die Positionen physikalischer Objekte erzeugen, auf die dann bestimmte „Rendering - Verfahren“ zur Animation angewandt werden müssen. Das ist zum Beispiel bei chemischen Simulationen der Fall: Dort erzeugt die Simulation die Positionen und Orientierungen der verschiedenen Atome einer Reaktion. Die Animation zeigt jedoch Ansichten der Moleküle als zusammengesteckte Kugeln oder sich gegenseitig überlappende, durchgehend schattierte Kugeln, die jeweils ein Atom darstellen. (Vgl. Foley & et. al., S. 493 )
Manchmal hat das Simulationsprogramm eine eigene Animationssprache, so daß die Simulations- und Animationsprozesse gleichzeitig ablaufen können. Ändert sich ein bestimmter Aspekt der Animation zu schnell im Verhältnis zur Anzahl der pro Sekunde angezeigten Bilder, so tritt zeitliches „Aliasing“ auf. Beispiele dafür sind Wagenräder, die sich scheinbar rückwärts drehen und die ruckartige Bewegung von Objekten, die sich in kurzer Zeit durch einen großen Bildraum bewegen. Ein Videoband stellt 25 - 30 Bilder pro Sekunde dar (Frames per second, fps ) fotografischer Film typischerweise 24 fps. Beide liefern für viele Anwendungen befriedigende Ergebnisse . Um diese Rate auszunutzen, müssen wir natürlich für jedes Video – oder Filmteilbild eine neue Darstellung erzeugen. Liefert die Animation jedoch nun für jedes zweite Teilbild eine neue Darstellung, beträgt die Bildrate effektiv 15 fps und die Bewegungen erscheinen ruckartiger. (Vgl. Foley & et. al., S. 494 )
Bewegung kann auf unterschiedliche Arten erreicht und eingesetzt werden, doch nur ihr gezielter Einsatz macht die „Multimedia – Anwendung“ zu einem sinnvollen Universalwerkzeug im Kommunika-tionsbereich.
Um Animationen gezielt einzusetzen, ist eine Auseinander-setzung mit den Phänomenen der sinnlichen Wahrnehmung und der menschlichen Sehgewohnheiten nötig, um dann die verschiedenen Arten der Animation auf ihre Tauglichkeit bezüglich des Anwendungsziels zu untersuchen. (Graf & Treplin, 1996, S. 1)
Da Animation mit dem Lehrfilm eng verwandt ist, sind cineastisches Sehen und Denken sowie der vertraute Umgang mit Begriffen wie Übergängen, Anschlüssen, Tempo und Rhythmus wichtige Vor-aussetzungen, will man sich im Lehranimationsbereich über vorgegebene Standards hinausbewegen. Wenn man diese Literatur diskutiert, wird mit Animation ein neuer Handlungsansatz in der Kultur- und Bildungsarbeit bezeichnet, welcher unter Animation Ermutigung, Anregung und Förderung versteht.
Entsprechend werden von den Animateuren folgende professionelle Fähigkeiten erwartet:
- edukative Fähigkeiten
- enkulturative Fähigkeiten
- kommunikative Fähigkeiten
- integrative Fähigkeiten
Kritisch läßt sich gegen Animation als pädagogisches Prinzip einwenden, daß es jeglicher kritisch- subversiven Bildungsabsicht entbehrt. (Vgl. Graf & Treplin, 1996, S. 2)
